Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz beendete systematisches Morden undenkbaren Ausmaßes  
 
Gedenkfeier 27. Januar 2022 | Katharina Pötter (c) Gabriele Janz/LVOOsnabrück. Es regnete, es stürmte, Corona-Regeln waren zu befolgen – und dennoch nahmen circa 120 Menschen am 27. Januar die Einladung des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land e. V. (LVO) an und versammelten sich bei der zentralen Gedenkveranstaltung der Region für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Osnabrücker Marktplatz.

Kaum mehr Überlebende der Konzentrationslager unter uns

Oberbürgermeisterin Katharina Pötter begrüßte die Teilnehmenden an der Gedenktafel für die jüdischen Opfer des Holocaust. In ihrer kurzen, nachdenklich stimmenden Rede sprach sie die traurige Tatsache an, dass kaum mehr Überlebende der Konzentrationslager unter uns seien. Um ihret- und aller weiteren NS-Opfer willen müssten auch hochbetagte Täter weiterhin verfolgt und für ihre Handlungen belangt werden: „Und es mag sich die Frage regen, warum sie nicht in Ruhe gelassen werden, warum unser Rechtsstaat sie immer noch verfolgt? Hier vor dieser Erinnerungstafel an die ermordeten Juden wird diese Frage beantwortet. Hier, vor dieser Tafel klärt sich die Antwort schnell wie von selbst: Den Toten schulden wir die Rechtsprechung, die keine Verjährung und keine Entschuldigung akzeptieren darf." Nach der Feststellung, dass die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 ein jahrelanges systematisches Morden undenkbaren Ausmaßes beendet hat, bat Pötter um eine Schweigeminute für die ermordeten Osnabrücker Juden.

Im Anschluss daran legte Oberbürgermeisterin Pötter gemeinsam mit Landrätin Anna Kebschull einen Kranz vor der Gedenktafel nieder. Vor ihnen hatten dort bereits andere Institutionen und Bürger*innen Blumenschmuck abgelegt.

27. Janaur 2022 | Katharina Pötter und Anna Kebschull | Kranzniederlegung (c) Gabriele Janz/LVO
Oberbürgermeisterin Katharina Pötter und Landrätin Anna Kebschull bei der Kranzniederlegung vor der Gedenktafel für die jüdischen Opfer.
Foto: Gabriele Janz/LVO

Totenklage für die jüdischen Opfer

Nach der Kranzniederlegung folgte die Trauerzeremonie der Jüdischen Gemeinde Osnabrück. Kantor Baruch Chauskin gemahnte in der auf Aramäisch gesungenen Totenklage „El male Rachamim" an die Verfolgung und Tötung von sechs Millionen Juden, unter anderem im Konzentrationslager Riga, wohin die meisten der Osnabrücker Juden deportiert worden waren.

 

27. Januar 2022 | Baruch Chauskin | Totenklage (c) Gabriele Janz/LVO
Baruch Chauskin, Kantor der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, trug die Totenklage vor.
Foto: Gabriele Janz, LVO

Gedenken auch für die Opfer unter den Osnabrücker Sinti

Vor der Gedenktafel für die von den Nationalsozialisten ermordeten Osnabrücker Sinti erinnerte Mario Franz, Verbandssprecher der Beratungsstelle für Sinti und Roma e. V., an die Gräuel, die seine Familie und alle anderen Osnabrücker Sinti durchlitten haben. Dreißig seiner Verwandten seien in NS-Lager abtransportiert worden, nur vier seien zurückgekehrt, unter ihnen auch sein schwer gezeichneter Vater. Diese Erinnerung sei schlimm für alle, aber ebenso unerträglich sei die heutige Situation seines Volkes, das wieder vermehrt rassistischen Angriffen ausgesetzt sei. Umso wichtiger sei es, das Gedenken lebendig zu halten. Für die getöteten Mitglieder seines Volkes trug Franz das Klagegebet „Maro Raj" auf Romanes vor: „... Wir, deine vergessenen Kinder, kein Land, kein Platz, von dem wir nicht vertrieben ... Doch allein dir dienen wir und du allein weißt, wer wir sind ...". Franz sprach diese Worte und vorher auch seine Begrüßung in der Sprache der Sinti, um ein Zeichen für die Kultur seines Volkes zu setzen.

27. Januar 2022 | Mario Franz (c) Gabriele Janz/LVO
Mario Franz sprach das Gebet "Maro Rom" für die Opfer unter den Osnabrücker Sinti auf Romanes.

Foto: Gabriele Janz/LVO