Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus  
 

Das Wetter meinte es gut mit den fast 120 Besucherinnen und Besuchern der Zentralen Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus, die sich am 28. Januar 2018 um 11.30 Uhr unter den Arkaden der Stadtbibliothek auf dem Osnabrücker Marktplatz versammelt hatten. Ohne störende Regenschauer folgten sie der Ansprache von Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, den Gebeten des Kantors der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, Baruch Chauskin, und den Worten von Manfred Böhmer, Vorsitzender des Niedersächsischen Bundes deutscher Sinti e. V. Die Veranstaltung hatte der Landschaftsverband Osnabrücker Land (LVO) ausgerichtet.

Klares Zeichen für Menschlichkeit

Griesert sprach als stellvertretender LVO- Präsident auch für den Landkreis Osnabrück. Er bezog sich in seiner Gedenkrede in weiten Teilen auf die Publizistin und Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Carolin Emcke, und ihr Plädoyer „Gegen den Hass". Darin heißt es: „Für das Erinnern an Auschwitz gibt es keine Halbwertzeit." Es fordere daher zeitgemäße didaktische Methoden, damit Menschen sich die Geschichte mit neugieriger Einfühlung aneignen. Griesert lieferte auch gleich die Antwort auf das „Wie?" und nannte als hoffnungsvolle Beispiele aus Stadt und Landkreis Osnabrück die Gedenkstätten Augustaschacht und Gestapokeller sowie das geplante Hans-Calmeyer-Haus. Griesert schloss seine Ansprache mit der Feststellung, dass die Teilnehmer/-innen der Gedenkfeier ein klares Zeichen für eine offene Gesellschaft, für Menschlichkeit und Respekt sowie für eine „Kultur des aufgeklärten Zweifels" (Emcke) setzen.Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus 2ß18 | Kranzniederlegung Griesert
Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, zugleich stellvertretender LVO-Präsident, bei der Kranzniederlegung an der Gedenktafel für die ermordeten Osnabrücker Juden.
Foto: LVO

Totenklage und Kaddisch zur Erinnerung an die Verstorbenen

Kantor Baruch Chauskin von der Jüdischen Gemeinde Osnabrück trug im Anschluss die traditionelle Totenklage „El male Rachamim" für seine in den NS-Lagern umgekommenen Glaubensgenossinnen und Glaubensgenossen vor. Danach betete er gemeinsam mit den anwesenden männlichen Vertretern der jüdischen Gemeinde das Kaddisch: eine Heiligung Gottes, stellvertretend für die Verstorbenen gesprochen um an sie zu erinnern.

Es folgte die Kranzniederlegung an den Gedenktafeln für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus, an die sich eine Schweigeminute anschloss.

Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus 2018 | Kantor Baruch Chauskin
Der Kantor der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, Baruch Chauskin, trug Totenklage und Kaddisch vor.
Foto: LVO

Mahnung und Warnung vor Neofaschismus

An die Opfer unter den deutschen Sinti und Roma erinnerte im Manfred Böhmer, Vorsitzender des Niedersächsischen Verbandes deutscher Sinti. Er bat alle Anwesenden, die „Mahnung und Warnung" vor Neofaschismus und Rechtsradikalismus weiterzutragen. Er habe die Hoffnung, dass sich Politiker und Gesellschaft an die Zeit erinnerten, die niemand wiederhaben wolle. Böhmers Sohn Johnny ergänzte die Ansprache durch ein Dankgebet.
Auch vor der Gedenktafel an der Stadtwaage legte Oberbürgermeister Griesert einen Kranz nieder und gedachte schweigend der in den Lagern Umgekommenen.
Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus 2018 | Manfred Böhmer
Manfred Böhmer warnte vor Neofaschismus und Rechtsradikalismus.
Foto: LVO

Ausstellungseröffnung "Goodbye Motherland"

Im Erich Maria Remarque-Friedenszentrum wurde anschließend die Ausstellung „Goodbye Motherland" des weißrussischen Fotografen Andrei Liankevich eröffnet, die einen kritischen Blick auf die gegenwärtige Erinnerungskultur an den Krieg in der ehemaligen Sowjetunion zeigt. Dr. Swen Steinberg von der TU Dresden hielt dabei eine beeindruckende und überaus informative Einführungsrede.

Die lohnenswerte Ausstellung ist noch bis zum 8. April 2018 im Remarque-Friedenszentrum am Markt in Osnabrück zu sehen.

Andrei Liankevich
Der weißrussische Fotograf Andrei Liankevich im Erich Maria Remarque-Friedenszentrum vor einigen Arbeiten seiner Ausstellung "Goodbye Motherland".
Foto: LVO