Ist Politik Moden unterworfen? Steffen Martus von der Humboldt-Universität spricht in Osnabrück  
 
Professor Dr. Steffen Martus (c) David AusserhoferSollte die Politik etwa Moden unterworfen sein? Das klingt nach einem aktuellen Trend. Dass das aber nicht erst heute gilt, sondern bereits vor 250 Jahren, wird Prof. Dr. Steffen Martus, Humboldt-Universität Berlin, In einem öffentlichen Vortrag am Donnerstag, 14. März 2019, um 20 Uhr in der Aula des Osnabrücker Schlosses erörtern (Eintritt frei). Der Vortrag ist Teil der Tagung „,Es hat also jede Sache ihren Gesichtspunct' – Neue Blicke auf Justus Möser (1720-1794)", die der Landschaftsverband Osnabrücker Land e. V. vom 14. bis 16. März 2019 gemeinsam mit dem Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Osnabrück veranstaltet.

Justus Möser untersuchte "Staatsmoden" und den "Stil" von Gesetzen

Der Wissenschaftler Steffen Martus, der 2015 in einem lesenswerten Werk ein umfassendes Epochenbild des deutschen 18. Jahrhunderts vorlegte, wird über „Politische Stimmungen. Justus Mösers Analyse der ‚Staatsmoden'" sprechen.

In der Tat, auch die Politik ist „Moden" unterworfen: Auf einmal sind bestimmte Ideen nicht mehr attraktiv, bisher gültige Argumente zählen nicht mehr. Politiker sind nicht mehr auf Grund von sachlichen Erwägungen beliebt und angesehen, sondern vielmehr weil sie bestimmte Stimmungen und Erwartungen besonders gut erfüllen. Die Unterscheidung von „wahr" und „falsch" tritt dabei schnell in den Hintergrund. Dies galt bereits vor über 250 Jahren. So musste sich auch der Osnabrücker Staatsmann, Jurist und Publizist Justus Möser (1720-1794), mit solchen Fragen und Situationen auseinandersetzen. In einer Zeit fundamentaler Umbrüche untersuchte er „Staatsmoden", den „Stil" von Gesetzen oder den „Ton" militärischer Konflikte und fragte davon ausgehend nach den Grundlagen des Politischen und nach dem Entstehen von Gemeinschaften allgemein. Damit ist Möser gerade heute, in Zeiten, in denen das aufklärerische, rational bestimmte 

Martus, der nach Stationen an den Universitäten Erlangen-Nürnberg und Kiel seit 2010 eine Professur für Neuere deutsche Literatur an der Humboldt-Universität Berlin innehat, erhielt 2015 den renommierten Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft – im gleichen Jahr übrigens, in dem sein viel beachtetes Buch „Aufklärung: Das deutsche Jahrhundert. Ein Epochenbild" erschien und aufgrund seines Erfolges bald darauf als Taschenbuch vorlag. Martus hat darüber hinaus unter anderem eine herausragende Biografie der Brüder Grimm veröffentlicht.

Georg Grhard Wessel, Justus Möeser, Wachsrelief (c) Museumsquartier Osnabrück
Georg Gerhard Wessel, Justus Möser, Wachsrelief, um 1790.
Copyright: Museumsquartier Osnabrück, Inv. 2922

Informationen

Donnerstag, 14. März 2019, 20 Uhr, Universität Osnabrück, Schloss, Aula. Eintritt frei.
Weitere Informationen zur Tagung zu Justus Möser