Das Miteinander-Leben der Konfessionen – mit und ohne Fragezeichen  
 
Wanderausstellung Gerahmt von Choralbearbeitungen zu Kirchenliedern Martin Luthers fand in der mittelalterlichen Kirche St. Georg in Badbergen am 17. März die feierliche Eröffnung der Ausstellung „Miteinander leben? Reformation und Konfession im Osnabrücker Land 1500 – 1700“ statt.

Wanderausstellung zu Reformation und Konfession in Badbergen eröffnet

Welche Ziele verfolgten die Reformatoren? Und wie wirkte sich die konfessionelle Spaltung im 16. Jahrhundert und nach dem Dreißigjährigen Krieg in unserer Region aus? Diese und viele weitere Fragen beleuchtet die am 17. März in St. Georg in Badbergen eröffnete Wanderausstellung, die von dort aus an neun weitere Orte im Osnabrücker Land weitergereicht und kurz vor Weihnachten im Osnabrücker Dom ihren Ausklang finden wird. Fast fast hundert Menschen aus dem ganzen Landkreisgebiet waren zur Ausstellungseröffnung gekommen. Pastor Werner Guhl-Krafft begrüßte die Gäste herzlich und nahm Bezug auf das Fragezeichen im Ausstellungstitel: Das Reformationsjubiläum setze beispielsweise durch Versöhnungsgottesdienste durchaus ermutigende Zeichen für das aktuelle und zukünftige Miteinander der Konfessionen. Dies gebe Hoffnung, so Guhl-Krafft, dass der Weg der Ökumene weitergangen werde. Zugleich dankte er dem Landschaftsverband, dass in St. Georg der Auftakt zur gesamtregionalen Wanderausstellung gefeiert werde.

 

Wanderausstellung "Miteinander leben? ..." | Pastor Werner Guhl-Krafft
Pastor Werner Guhl-Krafft drückte in seiner Eröffnungsrede die Hoffnung auf eine sich weiterentwickelnde Ökumene aus.

Foto: LVO

Begrüßung durch Landrat und LVO-Präsident Dr. Michael Lübbersmann

In seiner Funktion als Präsident des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land e. V. (LVO) begrüßte Landrat Dr. Michael Lübbersmann die Anwesenden. Er wies darauf hin, dass die Ausstellung sich eng mit den jeweiligen Kirchenräumen verbinde. „Miteinander leben“ sei eine Ausstellung, die in den Dialog mit dem jeweiligen Ort trete. In St. Georg in Badbergen lasse sich, so der Präsident, „bis heute exemplarisch nachempfinden“, was „Miteinander leben“ auf konfessioneller Ebene bedeuten konnte. Denn für das Badberger Kirchspiel war nach dem Dreißigjährigen Krieg über viele Generationen hinweg die gemeinsame Nutzung des Gotteshauses für Protestanten und Katholiken vorschrieben. Für den LVO lag es nahe, den Ort dieses pragmatischen Miteinanders als Startpunkt für die Ausstellung zu wählen. Zu deren Route erläuterte Lübbersmann, dass sie in insgesamt acht lutherischen und zwei katholischen Kirchen im Osnabrücker Land zu sehen sein wird. Lübbersmann dankte allen Förderern und Partnern, ohne die das Vorhaben nicht hätte realisiert werden können: dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, der Klosterkammer Hannover, den Evangelischen Stiftungen Osnabrück, dem Jobcenter Osnabrück, der Stiftung der Sparkassen im Landkreis Osnabrück, der Stiftung der Sparkasse Osnabrück, der Herrenteichslaischaft und der Landschaftlichen Brandkasse in der VGH. Zum Gelingen der Ausstellung haben ferner die beteiligten Kirchengemeinden beigetragen, so Lübbersmann, die für die Ausstellung ihren Gottesdienstraum öffnen, sowie die Ehrenamtlichen aus den Heimatvereinen, die ihre Kenntnisse zur jeweiligen örtlichen Reformationsgeschichte einbrachten. Besonders dankte er dem Historiker Dr. Ulrich Winzer sowie der Geschäftsführerin des Landschaftsverbandes und ihrem ganzen Team. Sie hatten bereits in einer wissenschaftlichen Tagung im Jahr 2016 sowie im kürzlich vorgelegten Tagungsband die Grundlagen für die Wanderausstellung geschaffen. Der Kirchengemeinde von St. Georg, namentlich Herrn Pastor Guhl-Krafft und der Organistin, Christa Poldner-Wakeling, dankte Lübbersmann für die freundliche Aufnahme in dem schönen Gotteshaus.WAnderausstellung "Miteinander leben? ..." | Landrat und LVO-Präsident und Dr. Michael Lübbersmann
Landrat und LVO-Präsident Dr. Michael Lübbersmann dankte allen Beteiligten für die Wanderausstellung und die freundliche Aufnahme in der Badbergener St. Georgskirche.

Foto: LVO

Grußworte zur Eröffnung

Kammerdirektor Andreas Hesse überbrachte die Grüße der Klosterkammer Hannover und beglückwünschte die Region zu der gelungenen Ausstellung. Er erläuterte, dass die Klosterkammer selbst ihre Wurzeln in der Reformation habe. Diese sei gesellschaftlich und politisch höchst wirkungsmächtig gewesen und präge bis heute die Landschaft. Hesse erinnerte wie Guhl-Krafft an die in jüngster Zeit erlebten Versöhnungsgottesdienste beispielsweise in Hildesheim und Osnabrück und betonte, wie wichtig es sei, das Trennende im Lehrverständnis der Konfessionen zu überwinden. Diesen ökumenischen Ansatz sehe er auch durch die Wanderausstellung „Miteinander leben?“ eingelöst. Daher habe die Klosterkammer die Ausstellung gerne mit einem Zuschuss gefördert.

Lars Pfeilsticker vom Vorstand der Kreissparkasse Bersenbrück sprach für die Stiftung der Sparkassen im Landkreis und betonte die Rolle des Friedens im Miteinander der Menschen. Der Blick zurück könne, so Pfeilsticker, ein Bewusstsein dafür schaffen, und er zitierte Dietrich Bonhoeffer: „Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben für das Leben die richtige Haltung.“ Hierzu trage auch die Ausstellung „Miteinander leben?“ in hohem Maße bei.

Dr. Hermann Queckenstedt, im Vorstand der Herrenteichslaischaft Osnabrück, schloss an die Friedens- und Versöhnungsgedanken seiner Vorredner an. Er betonte insbesondere die pragmatische Toleranz, die für das Osnabrücker Land über die Jahrhunderte hin prägend geworden sei und dankte für die gelungene Ausstellung.

Wanderausstellung "Miteinander leben? ..." | Dr. Andreas Hesse, Lars Pfeilsticker, Dr. Hermann Queckenstedt
Grußworte sprachen einige der Vertreter von Förderern der Wanderausstellung: Dr. Andreas Hesse von der Klosterkammer Hannover, Lars Pfeilsticker vom Vorstand der Kreissparkasse Bersenbrück für die Stiftung der Sparkassen im Landkreis Osnabrück und Dr. Hermann Queckenstedt als Vertreter der Osnabrücker Herrenteichslaischaft.

Foto: LVO

Das Ausstellungskonzept

Vor der Einführung in die Wanderausstellung erläuterte Susanne Tauss, LVO-Geschäftsführerin, das Ausstellungskonzept: Acht Text- und Bild-Displays, die durch die Region reisen, werden ergänzt um eine Vitrine. In dieser kann jede Kirchengemeinde ein für sie wichtiges Objekt der eigenen Reformations- oder Konfessionsgeschichte präsentieren – in Badbergen ist das ein ungewöhnliches, weil hölzernes Abendmahlsgeschirr aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Ferner gehört zur Ausstellung an jedem Ort eine Informationstafel, die auf die lokalen Besonderheiten der Reformationsgeschichte aufmerksam macht. Dieses Exponat verbleibt nach Ablauf der örtlichen Ausstellungsdauer bei jeder Kirchengemeinde. Es wird also auch über 2017 hinaus, so Tauss, ein gesamtregionales Geflecht von zehn Reformations-„Geschichten" sichtbar bleiben und den Besuchern der Kirchen wichtige historische Aspekte vermitteln können.
Dr. Susanne Tauss erläuterte das Konzept der Wanderausstellung.

Foto: LVO

Einführung in Wanderausstellung

Abschließend führte Ulrich Winzer, der das Projekt des LVO inhaltlich wesentlich verantwortet, die zahlreichen Gäste der Eröffnungsveranstaltung in die Ausstellung ein. Spezielles Augenmerk verdiente, so Winzer, nicht nur die ganz besondere Reformations- und Konfessionsgeschichte im einstigen Fürstbistum Osnabrück mit seiner ab 1650 im ganzen Alten Reich einmaligen Lösung der Bischofswechsel, sondern auch der damals für rund zweihundert Jahre geteilte Taufstein, der unmittelbar in die Ausstellung einbezogen wurde: ein Symbol für die Badberger Simultanlösung, bei der sich die Lutheraner und Katholiken pragmatisch die Kirche teilten.Wanderausstellung "Miteinander leben? ..." | Dr. Ulrich Winzer
Zahlreiche Gäste verfolgten interessiert die Erläuterungen von Dr. Ulrich Winzer zur Wanderausstellung.

Foto: LVO

Badbergener Besonderheit

Jede teilnehmende Kirchengemeinde steuert ein besonderes Objekt zur Wanderausstellung bei. In Badbergen füllt ein hölzernes Abendmahlsgeschirr die Extra-Vitrine. Es wurde von der Familie Eichmeyer aus Rulle zur Verfügung gestellt, direkten Nachfahren des Pastors Jütting, einem der ersten evangelischen Geistlichen in Badbergen.WAnderausstellung "Miteinander leben? ..." Familie Eichmeyer
Frau Eichmeyer und ihre Tochter vor dem hözernen Abendmahlsgeschirr, das die Familie für die Wanderausstellung auslieh.

Foto: LVO

Ausstellungsbroschüre und Informationen

Der Wunsch aller Eröffnungsredner, dass möglichst viele Besucherinnen und Besucher diese Ausstellung sehen sollten, schien bereits am ersten Abend eingelöst zu werden: Denn schon jetzt meldeten sich einige Gruppen spontan zur Ausstellungsbesichtigung an. Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Imbiss; hierfür boten die Damen vom Kirchenvorstand von St. Georg liebevoll vorbereitete Stärkungen an. Die angeregten Gespräche rund um die Ausstellung fanden auch an den Stehtischen ihre Fortsetzung. Und viele traten mit der kleinen Ausstellungsbroschüre unter dem Arm den Heimweg an. Sie kann für 8 Euro an jedem Ausstellungsort während der Öffnungszeiten, ferner in der Geschäftsstelle des Landschaftsverbandes erworben werden. Informationen:

St. Georgskirche Badbergen, Hauptstraße 49635 Badbergen

Ausstellung vom 17. März bis 9. April 2017

Öffnungszeiten: Samstag 15-17 Uhr, Sonntag 11-12 Uhr und 15-17 Uhr

Ferner nach Vereinbarung

 

Die weiteren Ausstellungsstationen:

19.04. – 07.05.2017 Rulle, St. Johannes

12.05. – 04.06.2017 Melle, St. Petri

08.06. – 02.07.2017 Fürstenau, St. Georg

06.07. – 30.07.2017 Osnabrück, St. Katharinen

03.08. – 27.08.2017 Bad Essen, St. Nikolai

03.09. – 24.09.2017 Schledehausen, (ev.) St. Laurentius

28.09. – 22.10.2017 Quakenbrück, St. Sylvester

29.10. – 19.11.2017 Engter, St. Johannis

23.11. – 17.12.2017 Osnabrück, Dom St. Petrus

 

Broschüre

Zur Ausstellung liegt eine 64-seitige reich bebilderte Broschüre vor. Sie kann an den Ausstellungsorten sowie in der Geschäftsstelle des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land e. V., Schloss Iburg – Hofapotheke, 49186 Bad Iburg, T. 05403 724550, info@lvosl.de, erworben werden.